Der magische Blog von Zauberer Stefan Alexander Rautenberg

Der Rautenberg-Blog

Wolfgang Jakubzik

Wolfgang Jakubzik, Mentor, Mensch und Freund

Wolfgang Jakubzik ist mir ein väterlicher Freund gewesen. 1983 traf ich ihn zum ersten Mal auf einem der Magic Hands Fachkongresse für Zauberkünstler in Böblingen. Seit dieser Begegnung ergaben sich im Verlauf von 32 Jahren unzählige Wiedersehen, Reisen, Telefonate und Briefwechsel. Obwohl Wolfgang Jakubzik im Jahr 2015 in Hamburg verstarb, ist er nicht aus meiner magischen Welt verschwunden, jeden Tag scheint es mir am Schreibtisch, als blickte er über meine Schulter.

Geboren 1929 in Masuren, interessierte ihn bereits als kleiner Junge die Varieté- und Zirkuswelt, sogar einen Kindercircus gründete er. Bei Krone sah er mit 10 Jahren den Zauberkünstler Recha, der sich als "Teufel im Frack" titulierte. Dieser Auftritt war für Wolfgang Jakubzik ein Schlüsselerlebnis und führte zu seinem lebenslangen Interesse an der Zauberkunst. Noch vor Kriegsende gelang ihm die Flucht nach Hamburg, wo er in den fünfziger Jahren Psychologie, Sozialpädagogik und Philosophie studierte. Hier auch wurde er Schüler des legendären Zauberapparatehändlers Janos Bartl. In den sechziger Jahren trat er unter dem Künstlernamen "Jakub von Altona" mit einem umfangreichen Programm in Hamburgs Häusern der Jugend auf, des Weiteren war er Mitglied des Kabaretts "Die Graumänner", für die er auch Texte verfasste. 1971 wurde er Leiter der Staatlichen Fachschule für Sozialpdagogik Altona, welche er bis zu seinem Ruhestand im Jahr 1991 leitete. Hier führte er in die Ausbildung der Erzieher  im 5. und 6. Semester Wahlpflichtkurse für Zauberkunst ein.

Im Jahre 1983 wurde Jakubzik Mitglied der zauberkünstlerischen Vereinigung "Magische Nordlichter", später auch des Magischen Zirkels von Hamburg. Beide Organisationen machten ihn in späteren Jahren zum Ehrenmitglied. Wolfgang Jakbuzik hat in den vielen Jahrzehnten seines zauberkünstlerischen Wirkens vor allem die Jugend untertsützt, indem er den genannten zauberkünstlerischen Vereinigungen mit Rat und Tat, aber auch mit großer finanzieller Unterstützung zur Seite stand. Er förderte ganz gezielt junge Zauberkünstler, von denen eine bemerkenswerte Anzahl die Zauberkünste später zu ihrem Beruf machen konnten.  Er war Mentor von vielen, die sich heute mit Freude an die Reisen zu den Weltkongressen der Zauberkunst (FISM) erinnern, welche er ihnen ermöglichte und vieles darüber hinaus. Zahlreiche Zauberkongresse in Hamburg gestaltete  er mit, finanzierte diese und stiftete aus privater Schatulle die großzügigen Preisgelder für die Wettbewerbe und Künstlerhonorare. Die Jubiläumsfeiern zum hundertjährigen Bestehen des Magischen Zirkels zu Hamburg, als auch des Magischen Zirkels von Deutschland im Jahre 2012 wären ohne sein Mäzenatum so in ihrer Art nicht zu Stande gekommen. Dabei blieb er stets als graue Eminenz im Hintergrund, nie stellte er sich in den Scheinwerfer oder Mittelpunkt. Aber er konnte seinen Schülern gute Hinweise geben, wie man das professionell tun sollte. Er lebte äußerst bescheiden, fast asketisch, war genügsam, immer höflich, zurückhaltend, stets zur Hilfe jeglicher Art bereit und er war großzügig. Und er war, eben auch, sehr gescheit. Reich an Lebenserfahrung und immer bereit, alles mit einem zu besprechen und einen Weg in die richtige Richtung nicht nur zu zeigen, sondern mitunter auch zu ermöglichen. Oft fragte er in sokratischer Art und führte seine Gesprächspartner durch deren eigene Erkenntnis ganz behutsam ins Ziel.

Zur Erinnerung an Wolfgang Dieter Jakubzik, der in seiner ganzen Art ein wirklicher Herr gewesen war,  schreibe ich hier über ihn, der uns, meiner Familie und mir über drei Jahrzehnte hinweg so sehr gewogen und verbunden war. Es verging seit unseren ersten Begegnungen kein Geburtstag und kein Weihnachtsfest, ohne daß uns von ihm nicht herzliche Gratulationen und Grüße in seiner exakten Handschrift per Post erreichten. Ab und zu schenke ich mir einen "Gin and Tonic" ein, dann trinke ich auf ihn, denn das trank er so gerne.

Wenn Sie, geneigter Leser, eine Erinnerung an Wolfgang Jakubzik hegen, dann freute ich mich, wenn Sie sich mit mir in Verbindung setzten, damit Ihre Anekdote an diesen feinen Mann hier an dieser Stelle, gerne auch ergänzt mit einem Foto, erwähnt werden kann. 

Bitte setzen Sie sich mit mir in Verbindung, damit wir uns darüber austauschen können.

Kontaktaufnahme

 

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Jan Mattheis erinnert sich:

„Wolfgangs weiße Insel“

Hamburg ist berühmt für sein „Schmuddelwetter“. Wohl deshalb überfiel Wolfgang Jakubzik eines Tages die Sehnsucht nach 
etwas mehr Sonne und Wärme. Die Nähe zum Meer sollte natürlich auch in Urlaubsgefilden nicht fehlen, und so kam es, dass Wolfgang Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre eines Tages in einem alten Propellerflugzeug saß, um sich im Gefolge eines fleißigen und zukunftsorientierten Immobilienmaklers, gemeinsam mit einer kleinen
 Gruppe „Kauf-Interessenten“, zur Baleareninsel Ibiza fliegen zu lassen.

Von den vier Balearen-Inseln ist Ibiza die drittgrößte, nach Mallorca und 
Menorca. Bereits seit den frühen sechziger Jahren handelte es sich hier wahlweise um das Traumziel zahlreicher „Aussteiger“ oder zumindest um eine Zwischenetappe auf der Reise nach z.B. Goa in Indien oder anderer, noch exotischerer Ziele (die dann oft garnicht mehr erreicht wurden).
 Ein relativ friedliches Miteinander herrschte zwischen den konservativen und erzkatholischen „Ibizenkos“, die damals vielfach noch in bäuerlichen Strukturen lebten, und den schillernden, musizierenden, tanzenden und feiernden zugereisten Hippies, Künstlern und Freigeistern.
 Gerade auch dieses weltoffene und kreative Klima war es sicherlich, das 
Wolfgang an diesem gastlichen Ort gemocht hat und so unterschrieb er dann einen Kaufvertrag für ein kleines Appartment auf dem „Mühlenhügel“ hoch über der Stadt Ibiza. Dort fand er nun über viele Jahrzehnte hinweg seine zweite Heimat, in die es ihn allerdings nur in den Oster- und Herbstferein zog. Im Sommer war es ihm dort zu heiß und zu unruhig.

Wolfgangs Appartement auf Ibiza
Wolfgangs Appartement auf Ibiza

War „Señhor Wolfgang“, wie er fortan dort von allen respektvoll genannt wurde, auch prinzipiell ein genügsamer Mensch, so war er während seiner Aufenthalte unter südlicher Sonne doch zumindest in kulinarischer Hinsicht dem barocken Lebensstil nicht ganz abgeneigt. 
Wie am Mittelmeer üblich, wurde viel und lange gegessen und getrunken.
 Neben guten Weinen trank man gerne sein Leib- und Magengetränk Gin and Tonic und als „Absacker“ einen „Carlos Primero“, den feinen (nach Karl dem Fünften benannten) spanischen Congnac. Auch die örtlichen Kellner konnten sich stets über ein sehr großzügiges Trinkgeld freuen. Gastfreundlich wie er immer war wurden gelegentlich Kollegen aus einem kleinen Kreis junger Zauberer zu einem Inselaufenthalt eingeladen.

So erinnere auch ich mich an viele schöne Abende mit guten Gesprächen, mehrgängigen Menüs und einer „Tarta al Whisky“ als Nachspeise.
 In späteren Jahren wurde dann sein Appartementkomplex in ein Hotel umgewandelt („Hotel Cenit“, das bis heute besteht) und „Señhor Wolfgang“ behielt das lebenslange Nutzungsrecht an seinem Studio. Leider musste er seiner mediterranen Wahlheimat und bunt/kreativer Lieblingsinsel in den letzten Jahren gesundheitsbedingt untreu werden, doch an einigen Orten auf Ibiza wird man sich trotz des zunehmenden Jet-Set-Trubels immer noch gerne an den stets freundlichen, feinsinnigen (und übrigens perfekt spanisch sprechenden) Gast aus dem hohen Norden erinnern... 

Jan Mattheis ist Zauberkünstler, Conférencier und Bauchredner, er gehört zur ersten Reihe der Varietékünstler in Deutschland.
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